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Willkommen! Wohngruppe lud zum Tag der offenen Tür

Emden. Die Aufregung ist zu spüren. Frauen wuseln mit Kaffeekannen durch die große Gemeinschaftsküche, die Tische sind gedeckt, die selbst gebackenen Kuchen stehen auf dem Buffet. Klaus Baalmann (26) steht an der Haustür. Schließen muss er sie an diesem Nachmittag nicht. Es ist ein ständiges Kommen und wer einmal da ist, der bleibt lange.

Eine neue Wohngemeinschaft für behinderte Menschen stellt im Borssumer Wykhoffweg ihr Zuhause vor. Auch das ist neu und wurde von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewoba errichtet. Acht Bewohner haben dort Platz. Für jeden gibt es ein helles Zimmer mit Waschbecken und Zugang zu einem Balkon oder einer Terrasse. Je zwei Bewohner teilen sich eine Kochnische und ein großzügiges Bad sowie eine Waschmaschine. „So schön ist das hier geworden, jetzt fehlt nur noch der Garten”, sagt eine Besucherin. Sie schaut sich das Zimmer von Maike Wilts (53) an. Die Frau mit Trisomie 21 steht auf Herz. „Ja, Herzen mag ich”, sagt sie, zeigt auf ihre Herzbettwäsche und bittet alle, sich ihr neues Zimmer anzusehen. „Für uns war das ein großer Schritt, aber unsere Tochter hat es uns leicht gemacht”, sagt ihre Mutter. Bis Anfang Oktober lebte Maike Wilts bei ihren Eltern. Die bange Frage, die sich viele Eltern von behinderten Kinder stellen, hat auch das Ehepaar Wilts beschäftigt: Was passiert einmal mit meinem Kind, wenn wir zu alt sind, um uns zu kümmern, oder wenn wir sterben?

Bei Janssens ist das ebenfalls ein Thema. Hinrich Janssen ist Mitinitiator der Wohngemeinschaft. Seit vier Jahren suchte er einen Neubau für eine WG. Seine Tochter Frauke Janssen (43) lebte bisher bei ihren Eltern. Ihr Bruder ist schon lange ausgezogen und hat seine eigene Familie. „Das war unser großer Wunsch, dass hier eine so schöne WG entsteht und unsere Tochter ein eigenes Zuhause hat”, sagt Hinrich Janssen. Schön finden es alle Beteiligten. Deshalb haben sich auch alle - betreut werden die Bewohner von der gemeinnützigen GmbH Agilio - dafür ausgesprochen, das neue Haus der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Bisher sind drei fest eingezogen. Christian Nießen (30), hat schon WG-Erfahrung. Einige Stunden am Tag verbringt er in der neuen Wohngemeinschaft: „Es gab Schwierigkeiten bei der Lieferung des Bettes, wenn das komplett ist, dann schlafe ich auch hier”, berichtet er. Für ihn ist es wichtig, die Tür zumachen zu können, Zuviel Trubel, zu viele neue Menschen, so etwas verunsichert ihn. Seine Familie und Freunde sind bei ihm, und wenn der eine oder andere Besucher zaghaft an die Tür klopft, zeigt er bereitwillig sein neues Zimmer.

„Für mich wurde es auch mal Zeit, selbstständig zu werden”, sagt Frauke Janssen selbstbewusst. Bei den Eltern ist es schön, da geht sie auch noch jeden Mittwoch hin. Ein bisschen schwer fällt es ihr, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, doch wenn sie Musik hört und auf ihrem blauen Sofa sitzt, das sie von Zuhause mitgebracht hat, ist alles in Ordnung.

Tagsüber arbeiten alle vier. Drei bei der obw und einer bei Agilio. Arbeitskollegen kommen zu Besuch und schauen sich alles genau an. „Für mich wäre das schon etwas”, sagt eine Frau. Aber Borssum sei ihr zu weit außerhalb. „Da muss ich ja noch früher aufstehen. Ich arbeite in der Stadt.”

Besucher bringen kleine Geschenke zum Einzug mit. Auch im Hausflur stehen Tischchen mit Kuchen. „Ich hab noch schnell heute Morgen alles durchgesaugt, soll ja auch gut aussehen”, sagt Klaus Baalmann. Die Bewohner haben einen festen Aufgabenplan, erklärt Ina Sandomier von Agilio. Tagsüber werden sie ambulant betreut, nachts ist die Gruppe auf sich gestellt.

Jetzt sind alle gespannt, wer noch einziehen wird. „Es muss auch passen”, sagt Frauke und rückt die Kerzen auf ihrem Tisch zurecht.

Von Ute Lipperheide
 
© Emder Zeitung, 13.11.2017, Bild: Eric Hasseler

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